Wer sich für Massivholzmöbel entscheidet, steht fast immer vor derselben Frage: welches Holz soll es sein? Eiche, Buche, Erle, Linde oder Nuss? Häufig hören wir auch die Überzeugung, das beste Holz sei das härteste. Das trifft so nicht zu. Jede Holzart hat ihr eigenes Eigenschaftsprofil, und nicht jedes Holz eignet sich für jedes Möbelstück. Entscheidend ist, was gefertigt wird und wie das Möbelstück genutzt wird.
Auf dieser Seite haben wir zusammengetragen, womit wir in unserer Tischlerei täglich arbeiten: die Eigenschaften der einzelnen Holzarten, ihre typischen Kennwerte und die Gründe, warum wir die eine Art für einen Tisch und die andere für ein Bett empfehlen. Die Angaben stützen sich auf die Fachliteratur und die einschlägigen Holznormen und sind ergänzt durch die Erfahrung aus über dreißig Jahren Tischlerpraxis.
Welche Eigenschaft zählt bei welchem Möbel
Die Härte des Holzes zählt dort, wo die Oberfläche täglich mechanisch beansprucht wird. Auf einem Esstisch werden Teller, Gläser und Besteck verschoben, Kinder zeichnen darauf, Gegenstände werden abgestellt. Dort zeigt sich der Unterschied zwischen Linde und Eiche schnell.
Beim Bett ist die Lage eine völlig andere. Die Liegefläche ist weder Stößen noch Abrieb ausgesetzt, die Last ist statisch und gleichmäßig verteilt. Entscheidend sind hier Konstruktion und Dimensionierung der tragenden Teile: der Querschnitt der Längsholme, die Art der Eckverbindung, Anzahl und Anordnung der Querträger sowie die Unterstützung des Lattenrostes. Ein gut konstruiertes Bett aus Linde ist stabiler als ein schlecht konstruiertes Bett aus Eiche.
Bei Möbeln im Freien zählen zwei ganz andere Kennwerte: die natürliche Dauerhaftigkeit des Kernholzes gegenüber holzzerstörenden Pilzen (klassifiziert nach EN 350) und die Formstabilität bei wechselnder Feuchte. Dort kommen Lärche und thermisch modifiziertes Holz infrage, nicht aber Buche oder Linde.
Die Holzarten, mit denen wir arbeiten
| Holzart | Rohdichte (kg/m3) | Brinellhärte (N/mm2) | Charakter | Wofür wir sie verwenden |
|---|---|---|---|---|
| Linde | 490 bis 530 | 1,4 bis 2,0 | Sehr gleichmäßige, feine Textur, wenig ausgeprägte Äste, helle Farbe, keine Harzkanäle | Betten, Kindermöbel, Möbel mit ruhigem Erscheinungsbild |
| Erle | 490 bis 550 | 1,9 bis 2,3 | Warmer rötlichbrauner Ton, weiche gleichmäßige Struktur, sehr gut zu bearbeiten | Betten, Schlafzimmer, Innenmöbel |
| Buche | 680 bis 720 | 3,2 bis 3,8 | Hart und zäh, dichte gleichmäßige Struktur, arbeitet deutlich bei Feuchtewechsel | Sitzmöbel, tragende Bauteile, Tische in klimatisch ruhigen Räumen |
| Eiche | 670 bis 760 | 3,4 bis 3,8 | Markante Jahrringe, hart und dauerhaft, Kernholz natürlich widerstandsfähig, typische Spiegel | Esstische, Arbeitsplatten, robuste Betten |
| Nussbaum | 640 bis 700 | 3,0 bis 3,5 | Große Farbspanne von hellbraun bis fast schwarz, lebendige Zeichnung, Edelholz | Esstische, repräsentative Stücke, Sichtflächen |
| Lärche | 550 bis 590 | 1,9 bis 2,2 | Harzreich, Kernholz mäßig dauerhaft, ausgeprägt rötliche Farbe | Gartenmöbel, Außenbereich, Sauna |
| Zirbe | 400 bis 430 | 1,1 bis 1,4 | Sehr leicht, harzreich, charakteristischer Duft und markantes Astbild | Zirbenbetten, Schlafzimmer, Innenausbau |
| Fichte und Tanne | 430 bis 470 | 1,2 bis 1,4 | Leicht, geringe Wärmeleitfähigkeit der Oberfläche | Sauna, Innenverkleidungen, Konstruktionsteile |
Linde
- Tilia cordata
- Rohdichte 490 bis 530 kg/m3
- Brinell 1,4 bis 2,0 N/mm2
- hell und gleichmäßig


Bei Betten wird uns genau diese Frage am häufigsten gestellt: ist Linde stabil genug, sie gilt doch als weicheres Holz? Linde ist tatsächlich weicher als Eiche, für den Bau eines Bettes jedoch sehr gut geeignet. Ein Bett ist nicht denselben Belastungen ausgesetzt wie ein Esstisch, auf dem täglich Stöße, Kratzer und Oberflächenabrieb entstehen. Beim Bett zählt die stabile Konstruktion ungleich mehr.
Linde besitzt unter den europäischen Laubhölzern eine der gleichmäßigsten Texturen. Der Übergang zwischen Früh- und Spätholz ist kaum sichtbar, die Jahrringe treten zurück, die Farbe ist hell und leicht gelblich bis nahezu weiß. Eine wuchsbedingte Besonderheit: der untere Stammabschnitt der Linde bleibt oft bis in beträchtliche Höhe astfrei, weshalb das Schnittholz in der Regel wenig ausgeprägte Äste aufweist. Genau deshalb ist Linde die richtige Wahl für alle, die ein ruhiges, klares und zurückhaltendes Holzbild schätzen.
Linde enthält keine Harzkanäle und keine ausgeprägten Inhaltsstoffe, sie gibt daher auch keinen starken Eigengeruch ab. Weichheit und Gleichmäßigkeit haben sie über Jahrhunderte zum Holz der Bildschnitzer und Altarbauer gemacht; aus demselben Grund lässt sie sich heute sehr sauber bearbeiten und nimmt Öle gleichmäßig an.
Wenn Sie also zwischen einem Bett aus Linde und einem Bett aus Spanplatte abwägen, sollte Sie die geringere Härte der Linde nicht abschrecken. Es geht nach wie vor um echtes Massivholz, das sich nach Jahren abschleifen und erneuern lässt.
Erle
- Alnus glutinosa
- Rohdichte 490 bis 550 kg/m3
- Brinell 1,9 bis 2,3 N/mm2
- warmer rötlicher Ton


Erle ist etwas wärmer im Ton als Linde und zeigt eine schöne, ruhige Naturstruktur. Frisch aufgeschnitten ist sie nahezu weiß, an der Luft dunkelt sie binnen weniger Stunden zu dem typischen rötlich orangen Ton nach, der sich mit der Zeit in ein warmes Braun beruhigt. Genau dieser Farbwechsel ist der Grund, weshalb Bretter aus demselben Stamm leicht unterschiedlich ausfallen können.
Auch Erle zählt zu den weicheren Holzarten, ist aber bei richtiger Konstruktion für Betten und andere Innenmöbel bestens geeignet. Sie neigt wenig zum Reißen und ist formstabil, arbeitet nach dem Einbau also weniger als etwa Buche.
Da es sich um ein Naturprodukt handelt, können sich einzelne Teile in Farbe und Struktur voneinander unterscheiden. Genau deshalb ist jedes Stück ein wenig anders. Bei der Fertigung sortieren wir so, dass benachbarte Elemente farblich zueinander passen; vollständige Gleichheit ist bei Naturholz nicht erreichbar und auch nicht das Ziel.
Buche
- Fagus sylvatica
- Rohdichte 680 bis 720 kg/m3
- Brinell 3,2 bis 3,8 N/mm2
- hart und zäh
Buche ist das am weitesten verbreitete Laubholz Mitteleuropas und in der Härte mit Eiche durchaus vergleichbar. Sie ist außerordentlich zäh und nimmt Biegebeanspruchung gut auf, weshalb sie traditionell für Stühle und tragende Bauteile verwendet wird.
Ihre wichtigste Besonderheit: unter den hier genannten Arten arbeitet Buche bei Feuchteschwankungen am stärksten. In einem Raum mit trockener Winterluft und feuchtem Sommer verändert Buche ihre Maße deutlicher als Eiche oder Erle. Bei großen Flächen, etwa einer breiten Tischplatte, setzen wir sie daher bewusst und stets mit einer geeigneten Dehnungslösung ein.
Die Farbe ist gleichmäßig hell gelblichbraun. Gedämpfte Buche erhält einen wärmeren, rosigen Ton. Die Struktur ist fein und ruhig, auf dem Radialschnitt mit den typischen feinen Spiegeln.
Eiche
- Quercus robur und Quercus petraea
- Rohdichte 670 bis 760 kg/m3
- Brinell 3,4 bis 3,8 N/mm2
- markante Jahrringe


Eiche ist das härtere und schwerere Holz und die beliebteste Wahl für Massivholzmöbel. Besonders geeignet ist sie für Esstische, denn die Tischfläche wird täglich stark beansprucht. Auf ihr werden Teller, Gläser und andere Gegenstände verschoben, weshalb die Härte des Holzes beim Tisch weit wichtiger ist als beim Bett.
Eiche zeigt markante Jahrringe und eine unverwechselbare Zeichnung. Auf dem Radialschnitt treten die breiten, glänzenden Spiegel hervor, eine der schönsten Eigenschaften dieser Art. Sie kann auch Äste enthalten, die kein Fehler sind, sondern ein natürlicher Bestandteil des Holzes.
Das Kernholz der Eiche gilt nach EN 350 als dauerhaft bis mäßig dauerhaft, es verträgt Feuchte also besser als die meisten unserer Laubhölzer. Eiche enthält Gerbstoffe, die in Verbindung mit Eisen und Feuchtigkeit dunkle Flecken verursachen; in unseren Möbeln verwenden wir deshalb Beschläge aus nichtrostendem oder entsprechend geschütztem Material.
Wir verwenden Eiche sowohl für Tische als auch für Betten, wenn ein etwas schwereres, härteres und ausdrucksstärkeres Holz gewünscht ist.
Nussbaum
- Juglans regia
- Rohdichte 640 bis 700 kg/m3
- Brinell 3,0 bis 3,5 N/mm2
- große Farbspanne

Nussbaum erkennt man vor allem an der Farbe. Die Töne können erheblich variieren, von hellen, fast graubraunen Partien bis zu tiefem Braun mit violettem Schimmer. Genau diese Unterschiede geben dem Nussbaum sein besonderes Erscheinungsbild. Auf großen Flächen, etwa einer Esstischplatte, kommt seine Struktur besonders schön zur Geltung.
Beim Nussbaum gilt: zwei Tische werden nie vollkommen gleich sein. Jedes Brett hat seine eigene Farbe, seine eigenen Jahrringe und seine eigene Struktur. Der Farbunterschied zwischen Splint und Kern ist beim Nussbaum größer als bei allen anderen von uns verwendeten Arten; wir trennen beide daher konsequent oder kombinieren sie bewusst, je nach gewünschtem Bild.
Nussbaum hellt unter Lichteinfluss über die Jahre etwas auf und beruhigt sich farblich. Dieser Vorgang ist normal und nicht zu verhindern; Öle mit UV-Filter können ihn lediglich verlangsamen.
Lärche
- Larix decidua
- Rohdichte 550 bis 590 kg/m3
- Brinell 1,9 bis 2,2 N/mm2
- für den Außenbereich
Die Lärche ist das einzige heimische Nadelholz, das im Winter seine Nadeln abwirft, und zugleich das dichteste unter den Nadelhölzern. Ihr Kernholz ist harzreich und nach EN 350 als mäßig dauerhaft eingestuft, was sie für bewitterte Bauteile geeignet macht.
Die Farbe ist ausgeprägt rötlichbraun und geht im Freien mit der Zeit in eine silbergraue Patina über. Diese Veränderung betrifft ausschließlich die Oberfläche und beeinträchtigt die Festigkeit nicht; wer sie nicht wünscht, muss das Möbel regelmäßig mit geeigneten Außenölen pflegen.
Harz ist bei der Lärche ein natürlicher Bestandteil des Holzes. Bei Wärme kann an einzelnen Stellen ein Harztropfen austreten. Das ist kein Produktfehler, sondern eine Eigenschaft der Holzart.
Zirbe
- Pinus cembra
- Rohdichte 400 bis 430 kg/m3
- Brinell 1,1 bis 1,4 N/mm2
- Duft und Astbild

Die Zirbe ist das leichteste Holz, mit dem wir arbeiten, und in Österreich und Süddeutschland zugleich das bekannteste. Charakteristisch sind der harzige Duft, die weiche, seidige Oberfläche und die dicht stehenden, dunklen Äste, die das Holzbild prägen.
Weil rund um die Zirbe viel behauptet und wenig belegt wird, haben wir ihr eine eigene Seite gewidmet, auf der wir den tatsächlichen Kenntnisstand nüchtern darstellen: Zirbenholz und Zirbenbett.
Fichte und Tanne
- Picea abies, Abies alba
- Rohdichte 430 bis 470 kg/m3
- Brinell 1,2 bis 1,4 N/mm2
- geringe Wärmeleitfähigkeit
Fichte und Tanne sind die leichtesten von uns verarbeiteten Arten und besitzen die niedrigste Wärmeleitfähigkeit. Genau deshalb sind sie in der Sauna unverzichtbar: die Oberfläche erwärmt sich selbst bei hoher Lufttemperatur nicht so stark, dass die Berührung unangenehm würde.
Für Saunen verwenden wir Holz ohne Harzgallen oder mit minimalem Harzanteil, da dieses bei hohen Temperaturen austreten kann. Die Tanne hat den Vorteil, praktisch keine Harzkanäle zu besitzen.
Was Massivholz genau bedeutet
Der Begriff Massivholz wird im Verkauf oft großzügig verwendet, daher lohnt eine Abgrenzung. In der Tischlerei unterscheiden wir folgende Materialien:
| Material | Was es ist | Erneuerbar |
|---|---|---|
| Massivholzbrett | Ein einzelnes Stück gesägtes und getrocknetes Holz über die gesamte Dicke | Ja, mehrfach |
| Massivholz Leimholzplatte | Mehrere Lamellen derselben Holzart, in Länge und Breite verleimt; die gesamte Dicke ist echtes Holz | Ja, mehrfach |
| Furnierte Platte | Spanplatte oder MDF mit einer dünnen Echtholzschicht unter 1 mm Stärke | Praktisch nein |
| Spanplatte | Holzpartikel, mit Bindemitteln verpresst, mit Folie oder Papier beschichtet | Nein |
In unseren Möbeln verwenden wir Massivholzbretter und Massivholz Leimholzplatten. Das Verleimen von Lamellen ist kein Zeichen geringerer Qualität, im Gegenteil: bei breiten Flächen ist es die konstruktiv bessere Lösung, weil sich die Spannungen zwischen wechselnd ausgerichteten Lamellen gegenseitig aufheben und die Platte eben bleibt. Ein einteiliges, sehr breites Brett würde sich in einer trockenen Wohnung weit früher verwerfen oder reißen.
Wie Sie die Holzart auswählen
Statt einer allgemeingültigen Antwort geben wir drei praktische Leitlinien:
- Gehen Sie vom Möbelstück aus, nicht von der Holzart. Für den Esstisch empfehlen wir Eiche oder Nussbaum, weil beide oberflächlich am widerstandsfähigsten sind. Für ein Bett sind Linde und Erle eine ausgezeichnete Wahl; dort entscheidet die Konstruktion.
- Entscheiden Sie sich für ein Erscheinungsbild. Wünschen Sie ein ruhiges, gleichmäßiges Holz ohne ausgeprägte Äste, wählen Sie Linde oder Erle. Wünschen Sie ausdrucksstarke Zeichnung und Charakter, wählen Sie Eiche oder Nussbaum.
- Berücksichtigen Sie den Raum. In sehr trockenen, stark beheizten Wohnungen bewähren sich Arten mit geringerem Quell- und Schwindmass, etwa Erle, besser als Buche.
Wir beraten Sie dabei gerne. Auf Wunsch senden wir Holz- und Oberflächenmuster zu, damit Sie Farbe und Struktur in Ihrem Raum und bei Ihrem Licht beurteilen können.
Der nächste Schritt
Vor der Kaufentscheidung empfehlen wir die Seite Vor dem Kauf von Massivholzmöbeln, auf der wir das Arbeiten des Holzes, Äste, Farbabweichungen und die Pflege ausführlich erklären. Konkrete Kundenfragen haben wir unter Häufige Fragen gesammelt.
Zum Mitnehmen: Ihr Wegweiser zu den Holzmustern (PDF, A4)
Linde, Erle, Zirbe und Eiche auf einer Seite, kurz erklärt – zum Ausdrucken oder Weiterleiten. Dieselbe Übersicht legen wir jeder Musterbestellung bei.
Massiv Bioholz · Gefertigt in unserer eigenen Tischlerei, aus Liebe zum Holz.